#12 Wieden Bräu // Wien-Wieden

Das Wieden Bräu ist ein großartiges Bierlokal. Es bedient die große Masse der an helles Gebräu gewohnten Biertrinker, die es schon besonders finden, wenn ein Lokal Bier selber braut. Durch das Engagement des bayrischen Brauers finden aber auch monatliche Spezialbiere den Weg in die Tanks und die Gläser der Gäste. Aber auch das Gebackene auf der Wieden kann sich essen lassen.

Zumindest einmal im Monat muss ich im Wieden Bräu vorbeischauen. Denn zwölf Mal im Jahr kommt ein tolles Spezialbier von Braumeister Bernd Kistler an die Hähne. Nun, kurz nach Weihnachten ist es das “Winter in Orange” ein sehr stark gehopftes Spezialbier, das mit seinen 6% Alkohol schon fast ein klassisches Bockbier ist. Seine dunkle, eigentliche orange Farbe, gibt wohl auch den an einen Markus Rosenmüller-Film angelehnten Biernamen. Aber eigentlich sind wir ja heute auch wegen dem Cordon Bleu da. Normalerweise findet sich in der Wochenkarte bei den Wieden Bräu Angeboten immer eine abgeänderte Version des Klassikers. Diese Woche leider nicht, darum greifen wir auf den immer angebotenen Standard aus der Karte zurück: Einem Toscana-Cordon Bleu.

IMG_0721

Ich muss gestehen, ob meiner Bierliebhaberei komme ich um 15.30, denn bis 16.00 Uhr gilt hier die Happy Hour für Biere und für die Halbe Bockbier zahle ich gerade € 2,40 (also den halben Preis). Das Cordon Bleu kostet mit € 11,50 inklusive Erdäpfelsalat zwar genausoviel wie immer, ist aber zu dieser Uhrzeit besonders schnell da. Gut so, denn ich bin hungrig. Die wöchentlichen Spezial-Cordon Bleu-Variationen schätze ich sehr, variiere auch immer mit den Beilagen (Kartoffelsalat, Mayonnaisekartoffelsalat, Bratkartoffel oder gemischter Salat), aber mit dem Toskanischen Cordon Bleu bin ich nicht ganz glücklich. Es ist mit Rohschinken und Mozzarella gefüllt. Rohschinken ist roh und alleine für mich ein Highlight, in Kombination mit anderem Fleisch aber nicht immer unbedingt ein Bringer. Mit dem Kalbfleisch beim Saltimbocca a la Romana harmonisiert es gut, vor allem, wenn man es erwartet. Im Cordon Bleu kommt es nicht so gut. Der bekannte Geschmack von rohem Schinken gibt dem Schweinefleisch einen Geschmack, der eher an einen Fehler beim Fleisch erinnert.

IMG_0719

Die Portionen hier sind groß, das Lokal (auch mit dem sommerlichen Garten) so groß, daß man durchaus sagen kann, hier wird in Menge produziert. Das Lokal, daß wohl seit seiner Öffnung in den frühen 1990er Jahren kaum verändert wurde, entspricht auch optisch dem, was man damals als die klassische Gasthausbrauerei angesehen hat. Viel Holz, einiges Kupfer – in Anlehnung an die Braukesseln – und eine Karte die alles bietet, was man früher klassisch zu gutem Bier empfohlen hat. Etwas überflüssig sind aber die vielen übergrossen Bilder an den Wänden, die die Speisen abbilden. Ich sitze nicht gerne unter einem 1 m breitem Schnitzel im Bilderrahmen oder einem 1,2 m Spare Ribs Teller.

Den meisten Gästen aber ist das egal, sie lieben die üppigen, deftigen Speisen und die wirklich guten Biere. Und das zu Recht.

 

Wieden Bräu – Gastronomie mit Pfiff BetriebsgmbH
Waageasse 5, 1040 Wien  Tel.: 01 / 586 0 300

#10 Irish Style Cordon Bleu // Wien-Erdberg

Ich mag schon sagen, daß mich mit dem Standort am Rennweg viele Erinnerungen verbinden. Als Peter Ohrfandl diesen Platz auf der Route zwischen Innenstadt und Zentralfriedhof vor etwa 18 Jahren als O’Peters Old Oak eröffnete, bin ich öfters dort gewesen. Der Guinness-Euphorie des Patron standen damals die gestandenen Landstrasser Trinker an der Grenze zu Simmering gegenüber und es war zum Teil äusserst skurril, diese Mischung an der Bar zu beobachten. Und irgendwie hab ich mich als bekennender Starkbiertrinker dort auch recht wohl gefühlt.

Jahre später hat ein anderes Urgestein der Wiener Irish-Pub-Szene das Lokal gekauft und in eine komplett andere gastronomische Richtung gesteuert. David O’Connor (ob dieses Namens von den meisten Doc genannt) wollte stärkere kulinarische Akzente setzen. Und gerade in dem Moment, wo auch das Charlie P’s plötzlich von Fish’n Chips, Burger & Fries auf irische Gourmetküche umschwenkte war Doc mit diesem Konzept ganz vorne mit dabei. Da hat natürlich Gaz Smith einen Riesenanteil, er schupfte die Küche am Rennweg. Leider ist er schon vor fast 2 Jahren heim nach Dublin, aber die Küche im O’Connors ist nach wie vor auf hohem Niveau.

IMG_0034

Das es das O’Connors aber in die Cordon Bleu Listung schafft, hat vor allem damit zu tun, daß es auch immer wieder im Rahmen des Mittagsmenüs angeboten wird. Mit einer guten Suppe (im aktuellen Fall war das eine sehr gut gewürzte Karfiolcremesuppe mit hausgemachten Brot) kostet das Menü mittags nur € 8,5 und wird von Arbeitern und benachbarten Studenten gerne angenommen.

IMG_0036

Klar hatte ich mir um diesen Preis eine etwas kleinere Portion vorgestellt, was gekommen ist, hat mich dennoch sehr überrascht. Das war ein richtig großes Cordon Bleu, das Schweinefleisch gut geklopft, von der Panier genau am Punkt frittiert oder gebacken. Der Hammer dazu der handgeschnitzte Kartoffelsalat mit Kräutern, der vielleicht lauwarm noch eine Spur passender gewesen wäre, aber auch in der kalten Version ein Gewinn gegen die vielen Convience-Erdäpfelsalate, die man in großen Teilen der Gastronomie vorgesetzt bekommt (Im Kopf hab ich bei diesem Gedanken immer mehr Zwiebel als Erdäpfel).

IMG_0038

Obwohl optisch natürlich schon sehr schön, ist der irische Cheddar als Füllung etwas geschmacklos, auch den Schinken könnte ich mir etwas g’schmackiger vorstellen. Aber im grossen und ganzen – und insbesondere um den Menüpreis von € 8,50 – war der Besuch im O’Connors wieder eine Bereicherung und jeden panierten Bissen wert.

O’Connors  Rennweg 95/2/1 – Vienna, Austria