#13 Gösser Bräu // Graz

Nun ja, es ist gut, wenn man überall im Land Connaisseure sitzen hat, die einen mit Tipps vor Ort versorgen. So hörten wir, dass es im Gösser Bräu die besten Cordon Bleus von Graz geben soll. Aber wir glauben ja nicht alles und testen lieber selber:DSC02944.jpg

Schon vor dem Eingang wurden wir darauf aufmerksam gemacht, daß es hier nur rein steirisches Schnitzel gibt, dass dies auch auf die doppelte, gefüllte Portion zutrifft, davon gehen wir aus.

IMG_0756Durch ein Magazin für die Gäste, das schon vor der Tür den Gast anlächelt und am Tisch vom Kellner herbeigetragen wird, erfahren wir, dass es sich bei dem Braugasthof um einen Teil der Systemgastronomie der Familie Grossauer handelt. Aufgeteilt auf die diversen Familienmitglieder ordnen sich Gastronomiebetriebe wie das Gösser Bräu, das El Gaucho (mittlerweile in Graz, Wien, Baden, München) , SkyBar, Glöckl Bräu und ab März dieses Jahre auch noch das Streets in der Waagner-Biro-Strasse. Und wie letzteres verlautet: “Famous Food and Drinks”. Aber darum geht es ja hier gar nicht. Ein Cordon Bleu kann beim ambitionierten Systemgastronomen ja auch genauso gut schmecken wie beim traditionellen Wirten am Eck. Um das herauszufinden, sind wir ja da.

DSC02947.jpg

Auweia und da kommt es ja auch schon. Ich muss gestehen, dass ich ob der Bierauswahl etwas desperat war. Hier in Graz gibt es doch schon viele Lokale, die Biere aus kleinen handwerklichen Brauereien wie Forstner, Alefried, Gratzer oder auch Bevog führen. Aber ein Gösser? Ich hatte Glück. Saisonal gab es einen Gösser Bock vom Fass, ein etwas stärker eingebrautes Spezialbier, das aber in diesem Kontext durchaus viel Spass machte.

DSC02949.jpg

Das Cordon Bleu um € 13,60 (Erinnert ihr euch noch? Das sind 200 Schilling) ist nach der Suppe recht rasch gekommen und hat von seiner Größe neben den Petersilerdäpfeln nicht enttäuscht. Aber es geht hier ja nicht um Quantität sondern um Qualität und da konnte das Gösser Bräu in Graz schon punkten. Der Speisekarte kann man die Herkunft mancher verwendeter Produkte entnehmen. So kommt das Schweinefleisch vom Kräuterschwein von Jaga’s Steirerei. Die freundliche Bedienung ist auf meine Frage ob der Füllung schon bald mit der Antwort gekommen: “Das Cordon Bleu ist mit Saunaschinken und Emmentaler gefüllt!” Eine gute Kombination. Denn dieses Cordon war geschmacklich ein Highlight. Erst 30 Minuten nach meiner Ankuft hab ich bemerkt, daß ich im Raucherbereich sitze – kurzfristig ein Schreck, überrascht, dass es sowas noch gibt – über die nächste Stunde trotz regen Betriebes nicht wirklich ein Problem.

Ohne jemals ein anderes Cordon Bleu in Graz gegessen zu haben, mag ich dieses auf den Thron heben! Einsprüche? Gerne.

Gösser Bräu Neutorgasse 48, 8010 Graz

Advertisements

#12 Wieden Bräu // Wien-Wieden

Das Wieden Bräu ist ein großartiges Bierlokal. Es bedient die große Masse der an helles Gebräu gewohnten Biertrinker, die es schon besonders finden, wenn ein Lokal Bier selber braut. Durch das Engagement des bayrischen Brauers finden aber auch monatliche Spezialbiere den Weg in die Tanks und die Gläser der Gäste. Aber auch das Gebackene auf der Wieden kann sich essen lassen.

Zumindest einmal im Monat muss ich im Wieden Bräu vorbeischauen. Denn zwölf Mal im Jahr kommt ein tolles Spezialbier von Braumeister Bernd Kistler an die Hähne. Nun, kurz nach Weihnachten ist es das “Winter in Orange” ein sehr stark gehopftes Spezialbier, das mit seinen 6% Alkohol schon fast ein klassisches Bockbier ist. Seine dunkle, eigentliche orange Farbe, gibt wohl auch den an einen Markus Rosenmüller-Film angelehnten Biernamen. Aber eigentlich sind wir ja heute auch wegen dem Cordon Bleu da. Normalerweise findet sich in der Wochenkarte bei den Wieden Bräu Angeboten immer eine abgeänderte Version des Klassikers. Diese Woche leider nicht, darum greifen wir auf den immer angebotenen Standard aus der Karte zurück: Einem Toscana-Cordon Bleu.

IMG_0721

Ich muss gestehen, ob meiner Bierliebhaberei komme ich um 15.30, denn bis 16.00 Uhr gilt hier die Happy Hour für Biere und für die Halbe Bockbier zahle ich gerade € 2,40 (also den halben Preis). Das Cordon Bleu kostet mit € 11,50 inklusive Erdäpfelsalat zwar genausoviel wie immer, ist aber zu dieser Uhrzeit besonders schnell da. Gut so, denn ich bin hungrig. Die wöchentlichen Spezial-Cordon Bleu-Variationen schätze ich sehr, variiere auch immer mit den Beilagen (Kartoffelsalat, Mayonnaisekartoffelsalat, Bratkartoffel oder gemischter Salat), aber mit dem Toskanischen Cordon Bleu bin ich nicht ganz glücklich. Es ist mit Rohschinken und Mozzarella gefüllt. Rohschinken ist roh und alleine für mich ein Highlight, in Kombination mit anderem Fleisch aber nicht immer unbedingt ein Bringer. Mit dem Kalbfleisch beim Saltimbocca a la Romana harmonisiert es gut, vor allem, wenn man es erwartet. Im Cordon Bleu kommt es nicht so gut. Der bekannte Geschmack von rohem Schinken gibt dem Schweinefleisch einen Geschmack, der eher an einen Fehler beim Fleisch erinnert.

IMG_0719

Die Portionen hier sind groß, das Lokal (auch mit dem sommerlichen Garten) so groß, daß man durchaus sagen kann, hier wird in Menge produziert. Das Lokal, daß wohl seit seiner Öffnung in den frühen 1990er Jahren kaum verändert wurde, entspricht auch optisch dem, was man damals als die klassische Gasthausbrauerei angesehen hat. Viel Holz, einiges Kupfer – in Anlehnung an die Braukesseln – und eine Karte die alles bietet, was man früher klassisch zu gutem Bier empfohlen hat. Etwas überflüssig sind aber die vielen übergrossen Bilder an den Wänden, die die Speisen abbilden. Ich sitze nicht gerne unter einem 1 m breitem Schnitzel im Bilderrahmen oder einem 1,2 m Spare Ribs Teller.

Den meisten Gästen aber ist das egal, sie lieben die üppigen, deftigen Speisen und die wirklich guten Biere. Und das zu Recht.

 

Wieden Bräu – Gastronomie mit Pfiff BetriebsgmbH
Waageasse 5, 1040 Wien  Tel.: 01 / 586 0 300

#11 Heuriger Jezek // Perchtoldsdorf

Jetzt mag ich bei dieser Cordon Bleu-Verabreichung nicht päpstlicher als der Papst sein, denn der Wirt – das muss ich hier mal ganz locker rausposaunen – ist mit mir zur Schule gegangen, seine Schwester sogar in die selbe Klasse mit mir.

Beim Jezek in Perchtoldsdorf bin ich oft, aber in alter Heurigentradition esse ich zumeist ein vorzügliches Subschnitzel, heute hab ich mir vom Buffet aber mal ein Cordon Bleu bringen lassen. Auf der Rechnung war es nicht erkenntlich, aber an Geschmack und Konsistenz sofort: Es war ein Hühner Cordon Bleu. Von meinem persönlichen Empfinden also eh gleich mal paar Abzugspunkte.

IMG_0592

An der Portion kann man nicht meckern. Die Garnitur – sagen wir mal – originell: Warum auch immer, ist am Teller eine Dosenaprikose gelegen. Für mich genauso entbehrlich wie Preiselbeeren. Aber man muss auch sagen, ich hab es nicht selber geordert, sondern vom Buffet mitnehmen lassen. Denn bei einem Perchtoldsdorfer Heurigen muss man das  Essen eben holen. Eigentlich kein Problem. Mit € 9,50 für ein Cordon Bleu ohne Beilagen dann vielleicht wieder etwas überteuert. Und es hatte einige Abstriche – vor allem war es viel zu trocken.

Gut, mit einem gescheiten Weissburgunder – beim Jezek gibt es feine Weine – kann man das mit “zu trocken” gut ausgleichen, alleinstehend ist diese Speise für mich kein Favorit.

Weinbau Jezek

2380 Perchtoldsdorf,  Ambros Ríedergasse 18

 

#10 Irish Style Cordon Bleu // Wien-Erdberg

Ich mag schon sagen, daß mich mit dem Standort am Rennweg viele Erinnerungen verbinden. Als Peter Ohrfandl diesen Platz auf der Route zwischen Innenstadt und Zentralfriedhof vor etwa 18 Jahren als O’Peters Old Oak eröffnete, bin ich öfters dort gewesen. Der Guinness-Euphorie des Patron standen damals die gestandenen Landstrasser Trinker an der Grenze zu Simmering gegenüber und es war zum Teil äusserst skurril, diese Mischung an der Bar zu beobachten. Und irgendwie hab ich mich als bekennender Starkbiertrinker dort auch recht wohl gefühlt.

Jahre später hat ein anderes Urgestein der Wiener Irish-Pub-Szene das Lokal gekauft und in eine komplett andere gastronomische Richtung gesteuert. David O’Connor (ob dieses Namens von den meisten Doc genannt) wollte stärkere kulinarische Akzente setzen. Und gerade in dem Moment, wo auch das Charlie P’s plötzlich von Fish’n Chips, Burger & Fries auf irische Gourmetküche umschwenkte war Doc mit diesem Konzept ganz vorne mit dabei. Da hat natürlich Gaz Smith einen Riesenanteil, er schupfte die Küche am Rennweg. Leider ist er schon vor fast 2 Jahren heim nach Dublin, aber die Küche im O’Connors ist nach wie vor auf hohem Niveau.

IMG_0034

Das es das O’Connors aber in die Cordon Bleu Listung schafft, hat vor allem damit zu tun, daß es auch immer wieder im Rahmen des Mittagsmenüs angeboten wird. Mit einer guten Suppe (im aktuellen Fall war das eine sehr gut gewürzte Karfiolcremesuppe mit hausgemachten Brot) kostet das Menü mittags nur € 8,5 und wird von Arbeitern und benachbarten Studenten gerne angenommen.

IMG_0036

Klar hatte ich mir um diesen Preis eine etwas kleinere Portion vorgestellt, was gekommen ist, hat mich dennoch sehr überrascht. Das war ein richtig großes Cordon Bleu, das Schweinefleisch gut geklopft, von der Panier genau am Punkt frittiert oder gebacken. Der Hammer dazu der handgeschnitzte Kartoffelsalat mit Kräutern, der vielleicht lauwarm noch eine Spur passender gewesen wäre, aber auch in der kalten Version ein Gewinn gegen die vielen Convience-Erdäpfelsalate, die man in großen Teilen der Gastronomie vorgesetzt bekommt (Im Kopf hab ich bei diesem Gedanken immer mehr Zwiebel als Erdäpfel).

IMG_0038

Obwohl optisch natürlich schon sehr schön, ist der irische Cheddar als Füllung etwas geschmacklos, auch den Schinken könnte ich mir etwas g’schmackiger vorstellen. Aber im grossen und ganzen – und insbesondere um den Menüpreis von € 8,50 – war der Besuch im O’Connors wieder eine Bereicherung und jeden panierten Bissen wert.

O’Connors  Rennweg 95/2/1 – Vienna, Austria

 

#9 Strasser Bräu // Wien-Meidling

Das Strasser Bräu, ganz nahe an der U4 Station Meidling – und damit auch sehr nahe an der Kult-Disco unserer Jugend ist ein klassisches Bierlokal, wie sie in den 1990er-Jahren eine Menge aus dem Boden gestampft wurden. Typus Helle Holztische, Kupferlampen, viele Fassbiere und eine Speisekarte von lustigen Broten über Spareribs bis zu vielerlei Gebackenen. Und bei letzteren sind wir genau richtig, denn saisonal bedingt wird neben dem Standard (Bauern Cordon Bleu) auch ein Kürbis Cordon Bleu angeboten.

Fein, daß ich heute abend nicht alleine die Cordon Bleu Karte testen muss, so konnten wir von beiden Varianten probieren. Um es schon vorab zu erwähnen: Vom Hocker hat es uns ob der Qualität nicht gerissen.

IMG_9735

Das Bauern Cordon Bleu kann zwar locker mit ähnlichen Exemplaren in vergleichbarer Gastronomie mithalten, aber da ist noch viel Luft nach oben. Besonders bemüht hat man sich zwar bei Tischset und Garnierung getan, aber ein fescher Glasteller kann leider nicht hinwegtäuschen, daß das Cordon Bleu wohl etwa eine Minute zu lang in der Fritteuse verweilte. Die abstehenden Panierteile waren hart und alles andere als knackig. Der Kern des Bauern Cordon Bleus war aber sehr gut, die Beilage wirklicher gut. Hätten wir vorher gewusst, welch üppige Salatportion aus Kartoffelsalat, roten Rüben, Kraut etc auf uns zu kommt, wir hätten die Braterdäpfel nicht extra dazu bestellt. Die kamen nämlich in einer Portion, die man als Hauptgang durchgehen lassen könnte.

IMG_9736

Noch einmal zum Kürbis Cordon Bleu. Es war als vegetarisch ausgewiesen. Davon haben wir uns nicht abschrecken lassen. Aber ganz ehrlich: Es hätte eine sehr intensive Zutat gebraucht. Hier war es gefüllt mit Mozzarella und Kräutern, in Kürbiskern- Knuspermantel gebacken, dazu Schnittlauchrahmsauce und Blattsalat um € 8,90.

Sei es einen “Stinker” aus der Käselandschaft oder einen sehr würzigen Schinken, vielleicht sogar Speck, der die trostlose Geschmacksintensivität von Kürbis retten könnte. Hier ist das leider nicht gelungen. Kurzum: Das Kürbis Cordon Bleu hat sehr belanglos, also nach wenig bis nichts geschmeckt. Sollte die Konzentration auf der mitservierten Sauce Tartare liegen, dann hätte ein helles Brot durchaus gereicht.

IMG_9738

Während wir im Strasser Bräu sehr nah zur Bar gesessen sind, sind zahllose Gäste gekommen, die meisten haben gar keinen Platz bekommen. Das Konzept geht also seit Jahren offenbar auf. Am Cordon Bleu kann es nicht liegen. Wir haben die Lösung aber live erlebt: Sehr selten haben wir auf unseren Lokalbesuchen derartig aufmerksames Personal wie im Strasser Bräu erlebt. Was manche vielleicht als übertrieben freundlich empfinden (“darf`s bei ihnen noch was sein?”) kommt zwar manchmal bisserl komisch, wenn die Gläser noch halb voll sind, aber umgekehrt wäre es schlimmer. Wir fühlen uns zu jeder Zeit perfekt bedient. Von unserem privilegiertem Platz nahe der Bar konnten wir sehen, was in der Küche abgeht. Und dort war es richtig lustig. Check

Sensationell – das sei gesagt – noch die Website. Findet man auf der Startseite doch noch die aktuellen, saisonalen Angebote wie Sturm und Wild, dann kann man im Bereich “News” auf Ereignisse aus 2004 zurückblicken. Vintage is the new Hype.

 

Strasser Bräu, Schönbrunnerstraße 253-255, 

Mo-FR:11-24 Uhr Samstag 17-24 Uhr Sonn und Feiertag: Ruhetag

 

 

 

#8 Spinatschafkäse // Daheim

Von Iglo gibt es seit geraumer Zeit eine tiefgefrorene Spinatmischung mit Schafkäse und kleinen Paradeiserstückchen. Eigentlich eine gelungene Mischung für ein saftiges Cordon Bleu nach …. sagen wir mal griechischer Art (juhu, alle Klischees ausgeschöpft).

IMG_9108

Die fertige Mischung war kaum zu bändigen und offensichtlich habe ich auch viel zu viel davon in das Hühnerfilet hineinzuklemmen versucht, das konnte nicht ganz gut gehen. Wir haben also ein Hühnerfilet geteilt und die Fertigmischung ungewürzt hineingestopft. Beim Panieren mit Eier und Brösel ist dann leider die Füllung etwas entwichen.

IMG_9107Das hat sich dann vor allem beim Braten in neutralem Rapsöl so herausgestellt, daß sich beim Fertigen der Panade etwas Spinat in die Panier gemischt hat und den ersten Eindruck des fertigen Cordon Bleus doch etwas dunkler gestaltete.

IMG_9112

Aber es mundete fast herausragend. Das einzige Manko war, daß man die Füllung noch zusätzlich hätte würzen müssen. Empfehlung: mindestens eine Knoblauchzehe pro Füllung und reichlich Salz oder Chili.IMG_9113

Das Cordon Bleu war gut durchgebraten, die selbe Variante mit Schwein wäre wohl fast interessanter im Geschmack.

 

 

#7 Heurigen Neumayer // Perchtoldsdorf

Es ist erst das zweite Cordon Bleu vom Huhn, das wir in unserer Besuchsfolge bestellen. Zum Preis von € 7,50 ohne Beilagen wird es am Selbstbedienungsbuffet des traditionellen Perchtoldsdorfer Heurigen angeboten. Man muss aber nicht lange warten, denn das fertige Gericht wird dann vom Kellner zum Tisch gebracht.

Schon die helle Farbe hat uns beim ersten Anblick missfallen, die Garnitur am Teller mit Salatblatt, eingelegten Paprikastreifen und einer Zitrone hatte auch nicht den Appetitlichkeitsstatus A. Gut, kommt ja aber auch auf den Geschmack an.

IMG_9027.jpg

Beim ersten Bissen sticht sofort der intensive Käse heraus, für mich eigentlich eine gute Wahl. Trotzdem mutet das Teil am Teller schon ein bisserl wie Convenience-Ware an, zu sauber die Formen, zu klebrig die Panier. Trotzdem kann ich mir das für einen Heurigen nicht vorstellen und denke mir halt einfach: Hier werde ich nicht nochmal ein Cordon Bleu bestellen.